Le 29 juin 2017
de 9h00 à 9h30
Le Patio (université de Strasbourg)
22 rue René Descartes, 67000 Strasbourg
salle 3203
Séance - Leaving – and Regaining – the Shores of Tonality
Pré-acte / Acte
Auteur : Elena Chernova
Die Neue Richtung (Nóvoe napravlénie) in der russischen geistlichen Musik (ca. 1880-1917) ist eine vielschichtige Erscheinung, die Theorie und Praxis der russischen Kirchengesangstraditionen betraf. Sie suchte nach neuen Wegen der mehrstimmigen Gestaltung der Liturgie, die mit der immanenten Natur der monodischen Gesänge übereinstimmen würde, und zwar auf der Grundlage der Erkenntnisse der musikalischen Mediävistik. Die Neue Richtung begann als Gegenbewegung gegen die stilistische Entfremdung des Kirchengesangs von seiner jahrhundertelangen modalen Tradition und die damit verbundene Säkularisierung seiner Ästhetik.
In meinem Vortrag werden die wichtigsten kompositionstechnischen Prinzipien der Schlüsselfigur der Neuen Richtung, Aleksandr Kastal’skij (1856-1926), systematisiert, in dessen Schaffen die zentralen Elemente dieser Schule zusammenfließen und dessen Ideen einen wesentlichen Einfluss auf die russische Musik des 20. Jhdts. hatten.
Über zwei Jahrzehnte arbeitete er am neuen, auf die vor kurzem wiederentdeckten Quellen mit monodischen Gesängen und mehrstimmigen Neumenpartituren, sowie die Editionen mehrstimmiger Volkslieder stützenden satztechnischen Ideal. In der 1924 unter dem Titel Osobennosti narodno-russkoj muzykal’noj sistemy publizierten Studie stellt er eine Reihe alternativer, auf den Prinzipien der volkstümlichen und modalen altrussischen Mehrstimmigkeit basierender Satzmodelle den stereotypen funktionsharmonischen Schablonen gegenüber. Anhand einiger kompositionstechnischer Aspekte aus zwei theoretischen Schriften Kastal’skijs wird gezeigt, wie sich das bis heute noch nicht klar genug definierte Phänomen des ‘russischen Stils’ in der Musik kontinuierlich herausbildete.







