5.C.6. “Intertextuelle Improvisation” in Romitellis Werk am Beispiel der Querverweise zwischen Trash TV Trance und der Cadenza von An Index of Metals Pierluca Lanzilotta - 29 juin 2017, 12h00-12h30, amphithéâtre 6

Sommaire

Le 29 juin 2017
de 12h00 à 12h30

Le Patio (université de Strasbourg)
22 rue René Descartes, 67000 Strasbourg
amphithéâtre 6

Séance - The Second Twentieth Century: Between Italy and France

Pré-acte / Acte

Auteur : Pierluca Lanzilotta

     Der Begriff der Intertextualität gehört in den Rahmen der verschriftlichten westlichen Musiktradition und spätestens seit Hermann Danusers Keynote am GfM-Kongress Freiburg 1993 auch zum musikwissenschaftlichen Diskurs. Seit Anbruch der Postmoderne wird das Zitatverfahren als Verweis auf andere Korpora wie auch innerhalb des eigenen Schaffens verstanden und verwendet. Wenn aber (Selbst)zitate nicht auf notierte Stellen sondern auf zu improvisierende Abschnitte hinweisen, ändert sich für den Analysten der Forschungsgegenstand selbst: An die Stelle des Notats tritt eine Aufzeichnung, die die jeweilige Improvisation festhält.

     Ziel des vorliegenden Beitrags ist es, am Beispiel der Beziehungen innerhalb von Fausto Romitellis Schaffen zwischen Trash TV Trance für E-Gitarre solo (2002) und der improvisierten Cadenza von An Index of Metals (2003) zu zeigen, wie intertextuelle Verweise in einem improvisatorischen Zusammenhang wirken können. Es wird der Versuch unternommen, den besagtem Werk und der Cadenza von Index gemeinsamen improvisatorischen Einschlag zu ermitteln. Damit wird die Möglichkeit einer unkonventionellen Annäherung an nicht notierte autoriale Produkte ins Visier genommen, die sich ebenso auf die jüngsten musikpsychologischen und neurowissenschaftlichen Erkenntnisse zur Musikwahrnehmung stützt wie auf das Verständnis des klanglichen Phänomens als eines acte performatif.

     Die Aussicht, Improvisationszitate mit zu berücksichtigen, eröffnet damit bislang unerforschte Perspektiven in Bezug auf den mittlerweile als vollzogen gegebenen Wechsel im statut ontologique des musikalischen Werkes – weg vom analog (mit Stift) Aufgeschriebenen, hin zum digital Aufgezeichneten.

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