2.F.2. Transformation serieller Techniken im Tintinnabuli-Stil Arvo Pärts Leopold Brauneiss - 28 juin 2017, 11h30-12h00, amphithéâtre 6

Sommaire

Le 28 juin 2017
de 11h30 à 12h00

Le Patio (université de Strasbourg)
22 rue René Descartes, 67000 Strasbourg
amphithéâtre 6

Séance - Analysing Arvo Pärt's Music

Pré-acte / Acte

Auteur : Leopold Brauneiss

     Wie bei seriellen Kompositionen ist der Ausgangspunkt des Komponierens auch beim Tintinnabuli-Stil eine lineare Tonfolge; im Unterschied zur Zwölftonreihe handelt es sich dabei allerdings nicht um eine individuelle Anordnung der zwölf chromatischen Tonqualitäten, sondern um historisch gegebene und allgemein verfügbare Tonleitern, genauer deren für jedes Werk spezifische Präsentation nach jeweils anderen Regeln. Am wichtigsten ist dabei das abstrakt-mathematische Prinzip der Addition, das Pärt aus seiner seriellen Phase übernommen hat. Der gleich bleibende kompositionstechnische Ansatz verbindet sich mit einer ästhetischen Umkehr: Die postulierte Gleichberechtigung aller zwölf chromatischen Töne erscheint als Verlust tonaler Differenzierung, die immer zwölf Töne umfassende Reihe als Einengung gegenüber einer prinzipiell unendlichen Tonleiter, die Reduktion als radikalere Lösung des Problems der Einheit im Vielfachen, die Selbstbeschränkung nicht als Verarmung, sondern als Konzentration, die Vereinfachung der Regeln als Garant für Transparenz und Stimmigkeit des Systems.

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